Montag, 18. Juli 2016

Empowerment





Empowerment - 
Ein tolles Schlagwort in der Sozialen Arbeit, doch was bedeutet es tatsächlich Dinge nicht ausschließlich selbst anzupacken, sondern durch andere Menschen zu realisieren? 

Wir Ausländer kommen mit unseren Visionen in ein uns fremdes Land. Sind wir offen für die Visionen der Einheimischen? Gibt es gleichwertigen Austausch? Wie kann eine Gleichwertigkeit aussehen bei dem großen Bildungsunterschied und der unterschiedlichen Erfahrungsspanne? 

Ganz klar: wir möchten Andere für unsere Vision begeistern und gemeinsam daran feilen, um es zu Verfeinern. Ein gutes Team unterstützt sich gegenseitig und steht in guten wie auch in schlechten Zeiten zusammen. Respekt wird in Haiti hoch gehalten. Uns begeistern Menschen, die ihr Bestes geben, die vorhandenen Möglichkeiten nutzen und ihr Leben aktiv in die Hand nehmen, um ihre Familie zu versorgen. Menschen, die nicht nur im Hier und Jetzt von der Hand in den Mund leben, sondern Menschen, die etwas in ihrem Leben erreichen wollen, was ihr eigenes Leben überdauert. Einen Weg für die nachfolgende Generation, ein Fortschritt für die heutige Gesellschaft. Hin zur würdevollen autonomen Lebensgestaltung aller. 

Menschen stets etwas zu schenken macht sie langfristig hilflos. In einer Notsituation kann es aber der Grundstein sein, neu Mut zu schöpfen und neu beginnen zu können. Wo ist die sinnvolle Grenze zwischen Hilfe und  Eigenverantwortung? 

Habitat-HT hatte von Anfang an die Vision, Arbeitsplätze zu schaffen, die überdauern und die nicht ausschließlich von Spenden abhängig sind. Unseren Mitarbeitern Bereiche anzuvertrauen, eigenes Engagement zuzutrauen und ihnen die Freiheit zu geben selbstständig zu werden ist ein andauernder Prozess.
Haiti kennt keine demokratische Erziehung. Initiative, Meinungsbildung und die Fähigkeit die eigene Meinung auszudrücken werden in der Schule nicht gefördert. Hier braucht es Anleitung, da dies Grundbedingungen einer guten Basis sind. Haiti ist dahingegen sehr stark in Beziehungen. Man versteht sich mit allen, lebt auf engem Raum zusammen und weiß Kontakte zu nutzen. Hier können wir Ausländer etwas lernen. Fachkompetenzen kann sich jeder Mensch aneignen, wenn er die nötigen Möglichkeiten, gewisse Intelligenz und den Willen hierzu mitbringt. Viele Menschen sind in diesem Land benachteiligt, da sie sich eine gute Bildung schlichtweg nicht leisten können. Es ist faszinierend, wie sehr sich der Unterschied zwischen Bildung und Intelligenz abzeichnet (in Deutschland war ich bisher weniger damit konfrontiert). 

Seit Januar 2016 hat Habitat-HT keine größere Baustelle. Mehrere kleine Projekte und die Ansparung vorheriger Gewinne sicherten unserem Kernteam ein minimales Gehalt. Die Angst um die Zukunft steht den Familienvätern ins Gesicht geschrieben. Natürlich wurden mehrere Bewerbungen erstellt und verschickt, doch die Antworten stehen noch aus. Die unerwartete vorhandene Zeit wurde von Dieufort intensiv genutzt um die kommerziellen Projekte intensiver zu fördern:
-         -  Herstellung von eigenen Blocksteinen und deren Verkauf
-         -  Anmietung eines kleinen Depots, in dem Zement, Stahl und einige kleinere technische Baugeräte verkauft werden können
-        -   Knüpfung von Kontakten zu haitianischen Partnern
-        -  

Ziel ist es auf mehreren Beinen zu stehen, um den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Ein 4 Beiniger Hocker ist am stabilsten. Dies ist der Grund, weswegen wir weiterhin in mehrere Richtungen Türen öffnen möchten, um Armut zu bekämpfen.



Lasst uns gemeinsam weiter träumen: statt ein paar wenige Arbeitsplätze zu sichern durch Spenden, lasst uns ein paar mehr schaffen durch lokales Wirtschaften!



Freitag, 20. Mai 2016

Hausrenovation hoch am Berg

Das Team kletterte mal wieder hoch hinaus auf den Berg Bienac, um einen privaten Auftrag auszuführen: die Renovation eines maroden 4 Zimmer-Hauses.

Das Dach war komplett undicht, der Boden im Haus nackter Bergstein mit Sandgeröll, es gab keine Fenster und Türen, keine Latrine und keinen Putz.
So machte sich unser Team daran das Dach neu zu decken, den Boden zu begradigen und zu betonieren, Türen und Fenster zu schweißen, Türrahmen zu mauern und Wände auszubessern, Außenverputz, neue Einganstür am Hofeingang, Latrine mauern, einen Küchenverschlag bauen und mit restlichem Kies auslegen.

Schön ist es geworden - was meint Ihr?




wunderschöne Aussicht mit Meeresblick

Montag, 16. Mai 2016

Beginn der Regenzeit



Die Regenzeit beginnt und damit wieder Überschwemmungen, Erdrutsche, Epidemien, … 

Helfen Sie mit Menschen ein sicheres und trockenes Zu Hause zu schenken! Spenden Sie an Habitat-HT!

Bilder sagen mehr als tausend Worte…






Donnerstag, 28. April 2016

Schweizer Architektin erforscht haitianische Baukultur



Auszug aus dem Quartalsheft der Lebensmission e.V. 

 
Mein Name ist Maya Gunz, ich stehe mitten in meinem Leben und bin Schweizerin. Als passionierte Architektin liebe ich es zu bauen und zu reisen. Seit Mitte Januar unterstütze ich Habitat-HT hier vor Ort und entdecke die haitianische Baukultur. Zunächst machte ich mich an die Baubuchhaltung und arbeitete mich durch alte Abrechnungen. Es war spannend für mich zwischen Kreol, Französisch, Englisch und Deutsch zu übersetzen und so die verschiedenen Materialien auf den Einkaufslisten zu erlernen. Zum einen fiel mir auf, dass die Landeswährung haitianische Gourdes innerhalb der letzten 5 Jahre stark gefallen ist – ein klarer finanzieller Nachteil. Zum anderen wunderte ich mich darüber, wieso eine Latrine so (scheinbar) teuer ist, also rund 1200-1400USD, je nach Zugänglichkeit und Baugrund. Bei näherem Hinsehen entdeckt man Interessantes: Die LKW-Ladung Sand kostet rund 55 USD, eine LKW-Ladung Schotter 40 USD. Man bedenke, dass der Haitianer in der glühenden Hitze die Steine aus dem Berg schlägt und mit einfachsten Werkzeugen zerkleinert, danach mit Schaufeln auf den LKW schöpft und ein Fahrer dann das Material liefert. Den Tageslohn will ich mir gar nicht ausmalen. In Europa würde dies ein Vielfaches kosten. Diese Materialien sind so günstig, weil sie in Haiti abgebaut werden. Im Vergleich hierzu kostet eine 2cm dicke Multiplexplatte rund 12-15USD pro 1m². Also etwa in einem gleichen Preisrange wie eine vergleichbare Platte in einem Schweizer Baumarkt und enorm viel Geld in Haiti für ein wenig Holz, wenn man bedenkt was ein hiesiger Durchschnittslohn ist und viele Menschen hier mit weniger als 2USD im Tag auskommen müssen. Und doch ist es das geeignetste und nachhaltigste Material um z.B. die Eingangstüre zu einem neuen Heim herzustellen. Beim Zement stößt man auf ein weiteres Problem: Ein Sack kostet ca. 7.50USD und sollte rund 42.5kg enthalten. Doch es wird aus den Säcken bereits im Baumarkt herausgeklaut, so dass man nie wirklich weiß, wieviel man tatsächlich erhält und demnach mehr oder weniger Säcke braucht. Bei der Fertigung der Latrine selbst strebt Habitat-HT Qualität an. Es gibt eine sichere und nachhaltige Hang- und Grubenbefestigung, der Beton wird in einem anständigen Mischverhältnis angerührt und mit entsprechender Eisenverstärkung versehen. Die Zementsteine werden durch Verputz geschützt, um eine dauerhafte Hilfe zu gewährleisten. Das Volumen der Grube wird großzügig bemessen, da man weiß, dass alle Nachbarn ebenso diese Latrine mitbenutzen werden.  

Als Architektin bin ich damit vertraut die Bedürfnisse der Kunden zu erörtern und entsprechenden Wohnraum anzubieten. Statt Mehrfamilienhäuser mit vielen Wohnungen bauen wir hier in Haiti Einzimmerhäuser. Doch die Frage bleibt: „Was sind die Mindestbedürfnisse einer Familie in Haiti? Und was können wir als Habitat-HT anbieten?“ Ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis muss gefunden werden. Würde man die Bedürfnisse zu niedrig ansetzen, wäre der Sinn der „Hilfe“ verfehlt. Würde man den Bedarf „luxuriös“ ansetzen, wäre die Verwaltung der vorhandenen Ressourcen (Spenden) nicht verantwortbar. Wir möchten möglichst vielen Familien Hilfe anbieten, die dauerhaften Wert hat. Viele spannende Fragen. 

Was sind Grundbedürfnisse, die ein Menschengrundrecht sind? Der Mensch kann ohne Schlaf nicht leben. Sicheres Schlafen bedeutet für mich: trocken, abschließbar, geschützt, ein Ort an dem man zur Ruhe kommen kann. Seine Notdurft an einem sichtgeschützten, sicheren Ort tätigen zu können gehört für mich ebenso zu den Grundrechten eines jeden Erdenbürgers dazu. 

Nach all meinen Recherchen und dem Durchforsten der Abrechnungen komme ich zu der Klarheit, dass Habitat-HT sinnvoll auf die Grundbedürfnisse der haitianischen Familien eingeht, sehr nutzungsbezogen arbeitet, ohne Geld für rein ästhetische Belange zu verschwenden. 

So freue ich mich auf weitere spannende Aufgaben mit Habitat-HT und viele eindrückliche Erlebnisse in diesem schönen Land!



Rahel, Anthonide und Maya


Montag, 11. April 2016

Renovierung eines Toiletten und Duschhäusschens

Das uralte Toiletten und Duschhäusschen auf dem Kinderdorfgelände wird nun renoviert.
Früher war es das einzige Bad auf dem Hof und die Kids mussten nachts im Dunkeln über den Hof laufen um Pipi zu machen - da ging es doch öfters lieber ins Bett. Seit vielen Jahren wurde an die Kinderhäuser ein kleines Bad mit Toilette und Dusche angebaut, so dass dieser beängstigende Weg wegfiel.

Seit Längerem konnte das alte Sanitärhaus nicht mehr benutzt werden.
Nun wird es von Habitat-HT renoviert. Mitarbeiter werden es nutzen, sowie Besucher, die zu Seminaren usw. auf den Hof kommen. Eine große Erleicheterung, da diese sich zuvor meist hinter die Häuser verdrückt haben um dort ihre Notdurft zu erledigen oder in die Kinderhäuser gehen mussten.

Wieder ein Schritt weiter - es geht sichtbar voran auf dem Kinderdorfgelände.









Montag, 4. April 2016

interkulturelle Zusammenarbeit ganz praktisch: Rohre verlegen




Zusammenarbeit ganz praktisch bedeutet erstmal einen Flug buchen, Urlaub nehmen und sich der haitianischen Hitze aussetzen. Nach der Ankunft in Port-au-Prince wühlt man sich einen Weg durch das bunte Treiben der Marktfrauen auf der Straße, unzählige Passanten, zu viele klapprige Autos, Müllfeuerchen, untermalt von karibischer Musik. Herausfordernd.
Nach einer erholsamen Nacht im Kinderdorf tauscht man dann das vorhandene englische Vokabular aus, um sich darüber zu verständigen, welche Reparationen der Wasserinstallationen anstehen. Die deutschen Materialien sind hier nicht unbedingt erhältlich, so müssen manche Pläne angepasst werden, man geht gemeinsam einkaufen und vermisst einen gewohnten gut sortierten und ausgestatteten Baumarkt. Einstieg in den mühseligen haitianischen Alltag unserer technischen Mitarbeiter.

Rudolph Stein kam für 3 Wochen zu uns ins Kinderdorf. Zum Einen wollte er seine Patenkinder bzw. Patenmitarbeiter kennen lernen und die Arbeit endlich mal vor Ort besuchen. Als berufserfahrene Korifäe hatte er das Ziel unsere haitianischen Techniker zu unterstützen, Fachwissen auszutauschen und einen kompletten Lageplan des Kinderdorfes und des Wassersystems zu zeichnen.
Bei einem solchen Besuch kann man Einblick in die konkreten Bedürfnisse hier vor Ort gewinnen. Dass manches an unserem Wassersystem marode ist, wissen wir schon lange. Doch es mangelt an systematischer Beratung, finanziellen Möglichkeiten und jemandem, der sich dieser Baustelle im Speziellen annimmt.

Natürlich gehen 3 Wochen schnell vorüber. So braucht es immer wieder neu anpackende Hände, damit nach und nach etwas entsteht. Wir betrachten heute, was unsere verschiedenen Vorgänger gemeinsam aufgebaut haben: eine tolle Sache.


Wilby und Rudolph beim Rohre kleben

Rudolph beim Lageplan zeichnen

marodes Wassersystem