Freitag, 24. Juli 2020

Update

Es ist leise geworden um unsren Blog...

Abschied von Gonaives, Stabübergabe vor Ort, emotionales Rücksinnen, ...

Umzug... was nimmt man nach 8 Jahren mit?
Jeder von uns fliegt mit 2 Koffern und einem Herzen voller Erinnerung, Dankbarkeit und dem Bewusstsein an so manchen Herausforderungen gewachsen zu sein los.

Ankunft ... in Landau, einem Neuen, was zu einem Zu Hause gemacht werden will.

Ein Jahr ist es nun her... äußerlich sind wir mittlerweile angepasst. Innerlich steht die Frage im Raum, ob man jemals komplett ankommen wird können. Frieden dort zu sein, wo man gerade ist überlagert. Das Wissen um die Möglichkeit auch in anderen Kontexten leben zu können, impliziert das Bewusstsein sich aktuell gegen diese Orte zu entscheiden.

Kulturelle Wertung und Gewohnheiten werden erneut auf die Prüfwaage gelegt. Vielleicht ist es auch unser Alter, in der Mitte des Lebens angekommen zu sein; wir ziehen eher Bilanz.
Auf was möchte ich in meinem Leben nicht mehr verzichten?
In welchem Kontext kann und will ich mich anpassen? In welchen Settings möchte ich das mir zugewonnene Haitianische beibehalten? Was bereichert mich? Was macht nun im Kern mich persönlich aus, das mit mir mit geht, egal in welchen kulturellen Kontext ich trete?

Tiefschürfende Prozesse.
Trauer und Verlust von einer geliebten Welt, die nun fern ist. Schöne Zeiten, die nicht wiederbringbar und zugleich ewiglich in uns mitschwingen.

Dünnhäutigkeit.
Suggerierte Erwartungen, Unverständnis von außen, inneres Wundsein... wer gehört zu mir und wer will mich nur in seine Schublade quetschen? Um dann festzustellen, dass ich es selbst bin, die mich in Rahmen einpassen möchte, aus denen meine Seele immer wieder rausquillt.

Home is where your heart is.
Familie bedeutet auch den Anderen mittragen, aushalten, ihm Heimat sein während er sich selbst verloren hat. Wir Vier. Hin- und hergezogen. Weltenbummler. Die eigenen Kinder zu begleiten in all den Prozessen, ist intensiv, manchmal auch spannend, eine Herzensinsel.

Neben all dem, was sich nicht so wirklich in Worte fassen lässt,
engagieren wir uns weiter mit ungeteiltem Herzen für Haiti, für unsre Projekte und für die liebgewonnenen Menschen.

Dieufort betreut nun ehrenamtlich Habitat-LM mit Spendenhaus- und Latrinenbau für die Lebensmission und ist als Vorstandsmitglied für die Technik und Immobilienbetreuung zuständig.
Habitat-HT bliebt das private social businees, das den Baumarkt ABC-Materiaux, die Blockanlage und Bauaufträge umfasst. Der neue Job als Tragwerksplaner ist ebenso kein 40 Std / Einsatz, sondern verlangt wesentlich mehr.

Ich (Martina) fühle mich privilegiert eine Anstellung mit 30 Wochenstunden für die Lebensmission als operative Geschäftsleitung wahrnehmen zu dürfen, die mich freisetzt  unsere Herzensprojekte weiter voranzubringen und mir Freude bereitet die zusätzlichen10 Ehrenamtsstunden mit Genuss einzubringen.  

Nun also zum Update all der schönen Habitat-Projekte!
Denn nur, weil es leise auf dem Blog wurde, wäre es nicht richtig auf ein Ruhen der Pelle zu schließen. Es ging fleißig weiter.
Mögen Bilder sprechen:



Freitag, 17. Mai 2019

Ilasma Haus mit schattiger Galerie

Das Haus ist wunderschön geworden, hell und freundlich. Ein besonderes Schattenplätzchen ist die große Galerie. Sie wurde gebaut, um das vorhandene Fundament zu nutzen, auf dem die Familie ev. später aus eigenen Mitteln ihr Haus vergrößern wird können.
Es fehlen noch die Stahltüren, daher schläft die Familie noch nicht in den Zimmern. Die Blechhütte wird erst abgerissen, sobald das Haus bezugsfertig ist. Erst dann können wir mit dem Bau der Latrine beginnen, da diese eben dort platziert wird, wo momentan noch die Hütte steht.
Alle sind glücklich, viele Nachbarn tümmeln sich auf der Galerie und es wird stets viel fröhlich gelacht wenn wir kommen.




Donnerstag, 2. Mai 2019

Baustelle für Familie Ilasma




Andreas Brauchle (Zimmermann + Sozialpädagoge --> europäische Leitung der Lebensmission), Franz Pierre (Schreinermeister --> Projektleiter), Joanel Saint-Vil (MaurerBoss), Dieufort Wittmer (Bauingenieur --> Projektgründer)

Freitag, 19. April 2019

ein Lebenszeichen - am Karfreitag

hm, man könnte meinen wir sind schon nicht mehr da - wenn man unseren Post betrachtet...

Wir haben viele liiiiiebe Besucher, die uns nochmal alle hier erleben wollen und die weite Reise auf sich nehmen - da wird man nostalgisch, genießt die Zeit zusammen und nimmt auch bewusst gemeinsam wahr, was man alles vermissen wird. Es tut gut Menschen an der Seite zu haben, die beide Länder unserer Herzensheimat kennen und schätzen.


Zugleich rödert man noch eine laaaange Liste ab, was alles zu tun ist bevor man geht.
Dieuforts Frust war groß als beim Anschluss der neuen Blockanlagen-Geräte der Dynamo des Generators durchgeschmort ist. So will man vorankommen und wird wieder um einige Schritte zurückgeworfen.

Intensiv ist auch die Einarbeitung und Anleitung unserer Nachfolger. Es sind ja nicht nur einzelne Aufgaben, sondern ein sich Einfinden in eine komplett neue Kultur, Sprache und in die Vision des Vereins. Wir sind glücklich so tolle Menschen wie Sophia und Andreas Brauchle den Stab übergeben zu dürfen!
Martina + Sophia nach Frisur-Stiling durch die Kids 




Euch allen Frohe Osterfeiertage!
 

Samstag, 16. März 2019

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Freitag, 8. März 2019

Wir sammeln für Familie Ilasma



Erdante ILASMA ist bei unserem ersten Besuch gerade dabei Küchlein aus Zuckerrohrsirup (bonbon siwo) zu backen. Auf dem Arm schaukelt sie einen 9 monatigen Jungen der Nachbarin – sie habe ihn kurz abgegeben um auf dem Markt einzukaufen. Mein Eindruck bestätigt sich mit jedem weiteren Besuch: Erdante ist eine Frau, die stets Anderen hilft – ungeachtet dessen wie wenig sie selbst hat.
Zu ihren 3 leiblichen Kindern im Alter von 10-14 Jahren versorgt sie eine Adoptivtochter (22), mit derem zweijährigem Kind, sowie einen Neffen und 3 weitere Nichten. Ihr Mann arbeitete in einer Fabrik in der Hauptstadt Port-au-Prince. Zu dieser Zeit erwarben sie das kleine Grundstück nah am Meer und begannen zuversichtlich das Fundament aufzuschütten. Beim Erdbeben im Januar 2010 wurde ihr Mann gemeinsam mit seiner Schwester von einer einstürzenden Hauswand erschlagen. Zwei Nichten überlebten das Unglück und konnten nach Gonaives zur Großmutter geholt werden. Darüber ist die Familie bis heute dankbar, denn viele Kinder sind spurlos verschwunden. Mit dem Todesfall erstarb viel Hoffnung. Die Nachbarn bestätigen: „Es waren Monate vieler Tränen.“ Erdante fand Gott und damit Trost. Heute ist sie wieder eine Frau, die das Beste aus dem macht, was ihr geblieben ist. Das Fundament liegt immer noch so da wie vor 8 Jahren. Die Blechhütte dahinter ist säuberlich aufgeräumt bei unserem spontanen Besuch, obwohl vor der Hütte der Schlamm steht. Es hat lediglich am Abend zuvor geregnet. Bei anhaltendem Regen überschwemmt auch die gesamte Hütte. Erdante ist mit ihren 45 Jahren durch ihre freundliche und hilfsbereite Art angesehen in der Nachbarschaft. Ihre Schule hat sie bis zum Fachabitur bestanden, dann eine Schneiderausbildung begonnen, die sie durch die Schwangerschaft nicht beenden konnte. Stolz zeigt sie eine kunstvoll bestickte Decke an der sie arbeitet.
Eine Latrine haben sie nicht. Wenn einen die Not überkomme, suche man sich einen Busch am Meer, hinter dem man seine Notdurft verrichte, erklärt Erdante.
In dieser Gegend gibt es keine Brunnen, das Wasser ist salzhaltig. Dusch- und Trinkwasser muss 800m auf der nächstgelegenen Straße eingekauft werden.


 
  
hinter diesen "Büschen" verrichtet man seine Notdurft  





Bonbon Siwo