Dienstag, 6. Dezember 2011

Ganz ursprünglich: ein wirklich überraschender Nikolaus

In der haitianischen Kultur kennt man die Tradition von St. Nikolaus nicht und da  seit vielen Jahren keine Europäer mehr hier im Kinderdorf gelebt haben, kennen die jüngeren Kinder diesen Festtag ebenso nicht. Also war es zum ersten Mal ein wirklich überraschender Nikolaus, der seine Papiersternenkörbchen mit allerlei Leckereien in die Betten unter die Moskitonetze der friedlich schlummernden Kinder verteilte. Morgens gab es dann ein freudiges lautes Erwachen mit allerlei Erstaunen und Entzücken und gaaanz vielen Fragen wer denn wieso nun diese Geschenkchen gebracht habe und ob denn dieser Nikolaus nun täglich zu Besuch käme und und und  :-)

Eine Mutter gab ganz goldig zur Antwort, dass sie manches leider nicht beantworten könne, da der Nikolaus deutsch gesprochen hätte und sie rein gar nichts verstanden habe und so sollen die Kinder bitte Martina befragen, da sie vielleicht mit ihm habe sprechen können.
So versammelte ich alle nach der Schule und erzählte die Geschichte des St. Nikolaus.

Wie schön ist es jemanden zu beschenken, der so wenig hat, nichts erwartet und sich so riesig über liebevolle Kleinigkeiten freut! 

- Ein wunderschöner Nikolaustag-

Freitag, 2. Dezember 2011

Haiti - die Perle der Antillen

Für alle, die noch ein bisschen überlegen, ob sie uns besuchen wollen, hier eine Motivationshilfe:

Jacmel, Haiti




Donnerstag, 1. Dezember 2011

Ein freudiges Wiedersehen


Im Februar 2011 bekam Familie Bazin, eine alleinerziehende Frau mit 7 Kindern, fast unerwartet ein Haus vom HABITAT-HT-Projekt. Unerwartet, weil Sie, Frau Carmel Degramond Bazin, bereits die Hoffnung verloren hatte, dass sie von uns nochmal kontaktiert werden würde. Aber dann, als es nach einigem hin und her los gehen durfte, konnte die Bautruppe um Eddy Ewert, Martin Dietle, Martin Stegmann, Frantz und Guirlo Pierre 100%ige Arbeit leisten und in nicht mehr als 3 Wochen ein schmuckes HABITAT-HT Haus auf dem Gelände der Bazins in Carrefour errichten. Zur Erinnerung, Carrefour war vom Erdbeben sehr stark betroffen. Sehr viele Menschen hatten ihre Häuser verloren, darunter ebenfalls die Bazins und die gesamte Nachbarschaft. Der Bedarf ist enorm. Wir können leider nur Einzelnen helfen. Diese Hilfe hat Bazins erreicht. Am Montag 21. November durfte ich diese tolle Familie mit einem Besuch überraschen. Ich liebe diese Überraschungsbesuche, bei denen man dann sehen kann, wie die Hilfsempfänger mit dem Häuschen umgehen. Die HABITAT-HT Häuser sind schöne Häuser, die aber auf Grund des Holzbaus viel Pflege brauchen. Eine Familie, die schlecht erzogene Kinder hat, die mit viel Wasser sudelt, kann nicht in diesem Haus leben. Bazins hingegen pflegen es offensichtlich und beobachten, wo sich Ungutes anbahnt. Das hilft uns wiederum, kleine konstruktive Mängel auszumerzen. Rudy Bazin, der Älteste von den Jungen, hat mir folgendes geschrieben (Übersetzung):

„Ein Haus in PAP ist etwas fast unmögliches. Deswegen wissen wir Bazins sehr gut das große Geschenk zu schätzen, welche uns über die Lebensmission erreicht hat. Wie wichtig dieses Haus für uns ist, sehen wir insbesondere, wenn die Sonne hoch am Himmel steht und wir uns im kühlen Haus aufhalten können. Wenn es regnet können wir beruhigt schlafen. Wenn Besuch kommt, haben wir Platz, um sie zu empfangen (HABITAT-HT Leute übernachten immer wieder bei Bazins, wenn sie In Carrefour Dinge zu erledigen haben.)
Wir hatten ein Haus in konventioneller Bauweise, 5 Zimmer und eine Terrasse, das nach dem Erdbeben auf ein einziges Zimmer reduziert werden musste. Es war unmöglich zu zehnt darin zu leben. Wir schliefen wie Hühner auf der Stange. Das schlimmste war, dass es keine Aussicht gab, diese Wohnsituation zu ändern. Das bedeutet, dass dieses Geschenk wie eine Rettung für ein dürres Land gewesen ist, dass auf den  Regen wartete.
Wir können nun komfortabel schlafen, ohne uns zu stapeln. In der Nachbarschaft werden wir nun mehr geachtet, nachdem einige schon angefangen hatten sich über uns lustig zu machen: „Schau mal! Zu zehnt in einem Zimmer.“ Manche dachten, wir würden bis an unser Lebensende so hausen.
Wir sind der Lebensmission und alle denen, die diese große Arbeit finanziert und durchgeführt haben von Herzen dankbar.“

Tatsächlich konnte ich bei meinem Überraschungsbesuch diese Dankbarkeit und Freude dieser Familie erleben. Sie sind finanziell nicht besser gestellt als zuvor- daran arbeiten wir noch- aber sie haben ein hochwertiges Dach über dem Kopf, das Ihr treuen Spender ihnen finanziert habt. HABITAT-HT und die Lebensmission bedankt sich auf diesem Wege herzlich bei Euch! Ihr helft uns, um einigen Familien nachhaltig zu helfen.

Euer Dieufort



Mittwoch, 23. November 2011

HABITAT-HT Büro

Inzwischen durften wie das neue HABITAT-HT Büro einweihen, das sich auf dem Kinderdorfgelände der Lebensmission in Gonaives/ Haiti befindet.
Das ursprüngliche Büro der Lehrwerkstatt wurde für diesen Zweck renoviert und mit einem schönen langen Schreibtisch ausgestattet, an dem bis zu 4 Personen gleichzeitig Platz finden. Aktuell arbeiten dort Dieufort Wittmer als Projektleiter und Dipl. Bauingenieur, Guirlo Pierre als haitianischer Architekt, Frantz Pierre als Bauschreiner, sowie 4 Tage pro Monat die haitianische Buchhalterin Manette Charles im HABITAT-HT Büro.
Internetanschluss und Festnetzleitung gewähren eine flüssige Kommunikation zwischen dem haitianischen Büro und dem Rest der Welt. Dank der großzügigen Spende von ITK, stehen uns zudem 2 HABITAT-HT- Laptops zur Verfügung; an dieser Stelle nochmals ein herzliches "Mèsi anpil!".


Montag, 21. November 2011

Die ganze Geschichte des Autokaufes

In Deutschland scheint ein Autokauf das Einfachste von der Welt zu sein: Du klärst Deinen speziellen Bedarf und Deine individuellen Wünsche, konsultierst Gebrauchtwagenhändler oder das Internet, suchst das entsprechende Gefährt aus, begutachtest es vor Ort, handelst den Preis aus, bezahlst und gehst zur entsprechenden Behörde, um es auf Deinen Namen anzumelden.  Ab dem Aussuchen und Bezahlen, dauert der restliche Vorgang in Deutschland höchstens einen Tag. Ich bin bereits im Voraus von verschiedenen Personen  gewarnt worden, dass diese Angelegenheit in Haiti dahingegen sehr  zeitraubend und noch mehr nervenaufreibend sein würde. Leider hatten die Personen entweder untertrieben, oder ich hatte einfach sehr viel Pech als Diaspora-Haitianer mit Zeitdruck und somit als eine potenzielle Geldeinnahmequelle für schlechtbezahlte Beamte.
Für unsere Montagetätigkeit  ist ein zuverlässiges Baufahrzeug unbedingt notwendig. Damit müssen allerlei Materialien eingekauft und unser Werkzeug sicher aufbewahrt werden, während der Baustelle. Zudem werden wir wohl öfters darin nächtigen, da die bedürftigen Familien uns selten eine Schlafgelegenheit bieten können. Leider wird in Haiti allerlei Schrottreifes aus den USA angeboten und ein neues Fahrzeug können wir uns schlichtweg nicht leisten. So verbringen wir Wochen mit der Suche, die sich in einem Radius von mehreren 100 Km befindet. Eines Tages schienen wir einen guten Fang zu machen, lediglich der Preis über stieg die ursprüngliche Planung. Durch die vielen Ausländer ist die Nachfrage auf dem haitianischen Automarkt deutlich gestiegen, ohne eine entsprechende Angebotssteigerung,  sodass sich dies direkt auf den Preis niederschlägt. Nach zwei Wochen Hin und Her und viel Zureden, hatte ich den Zuschlag für 12.500 USD. Doch später sollte sich herausstellen, dass somit nur eine der kleinsten Hürden genommen war. Die haitianische Verwaltung  ist wohl die schwierigste der Welt. Um kaufen und verkaufen zu können, muss ich eine gewisse Steuernummer „Matricule Fiscale“ vorweisen. Die bekomme ich von der Generalverwaltung für Finanzangelegenheiten ausgestellt. Eine Sache, die nicht mehr als eine halbe Stunde dauern kann, sofern der Beamte willens ist. Wenn nicht... :
·         Seit Jeane und Hanna funktioniert diese Behörde in Gonaives nur provisorisch. Als „Ausländer“ mit nicht haitianischem Ausweis, kann Gonaives mir somit dieses Papier nicht ausstellen. Ich musste also nach St. Mark, eine Stadt ca. 40-50 km entfernt.   Dieses Papier kostet laut Staat 50 HTGD. 1 Std nach der morgendlichen Öffnung gibt es angeblich keine Antragsformulare mehr und ich muss über eine eigens für diesen Zweck errichtete Unterverwaltung mit Zwischenmännern gehen. Für 500 HTGD den ein Mittelsmann bekommt, darf ich doch mit dem Direktor der Abteilung sprechen. Der will aber mindestens 1000 HTGD, da ich keinen haitianischen Pass habe. Der Tag ist nun fast vergangen, angeblich können die Herren das Papier nicht eingeben. Er muss das System überlisten. Stimmt alles nicht, es ist nur um eine erneute Geldforderung zu rechtfertigen. Da ich nun Europäer bin, keine Zeit und Lust habe, morgen nochmal anzustehen, kostet mich das nochmal 2000 HTGD. Dann schließt sich eine fingierte Anhörung an: was ich hier tue, warum ich einen deutschen Pass habe, ich könnte ein Terrorist sein,…schlussendlich bekomme ich kurz vor Ladenschluss um 16 Uhr meine Matrikelnummer.  Die Rechnung lautet natürlich „50 HTGD bezahlt“ . Immerhin. 

Jetzt kann der Kauf des LKWs auch offiziell vollzogen werden. Erst muss der Vorbesitzer Versicherung und Verkehrsschilder machen lassen, eine Vignette für das laufende Jahr kaufen und mir das alles auf Papier transferieren, damit ich als Fahrzeughalter eingetragen werde. Das hört sich einfach an, aber dafür müssen wir insgesamt 4 Tage nach St. Mark. Selbst die Polizei verlangt für einen kostenlosen Dienst  1000 HTGD vom Verkäufer und das gleiche für den Käufer.  Meine Geduld hat sich gelohnt. So haben wir einen Kleinlaster als Baustellenfahrzeug, wen es interessiert: ein Isuzu NPR, Turbodiesel , Intercooler, Baujahr 1994, klimatisiert, insgesamt ein sehr guter Zustand, nur eben etwas teuer in der Anschaffung. Da das Geld für den Kleinlaster privat vorfinanziert wurde, wollen wir über zusätzliche Fahrten für andere Personen ein Teil des Geldes wieder hereinholen. 

Mit dem privaten Fahrzeug, das wir per Fahrtenbuch ebenso als Geschäftswagen für HABITAT-HT nutzen, hatte ich sehr viel Pech und Lauferei von Beginn an. Entweder war das versprochene Fahrzeug nicht zu sehen, oder der Verkäufer brauchte es doch noch, oder ich hatte nicht schnell genug meine Zusage nebst Anzahlung gemacht, so dass das auserwählte Gefährt ohne weitere Ankündigung anderweitig verkauft wurde. Dieses Fahrzeug machte mich buchstäblich krank und anstatt mich zu erholen, fuhr ich an zwei Tagen mit hohem Fieber wiedermals in die Hauptstadt. Natürlich war der Verkäufer trotz vorheriger Beteuerung nicht gekommen und ich musste unverrichteter Dinge wieder abreisen. Am nächsten Morgen nochmal in die Hauptstadt, aber diesmal bekam ich ein Auto vorgeführt, dass ich seit Donnerstag dem 17.11.2011 mein Eigen nennen kann. Ein Ford Ranger Pickup, Diesel, Baujahr Ende 2007. Insgesamt ein gutes Auto.

Sonntag, 20. November 2011

Darf ich vorstellen: unser Kleintransporter



Es war wirklich eine schwere, langwiedrige und schweißtreibende Geburt; doch nun trägt er unseren Namen ... der Kleintransporter von HABITAT-HT.

Montag, 7. November 2011

ein Fährtchen durch Haiti...

Ein Fährtchen durch Haiti... schöne Strände neben unvorstellbarer Armut. Mir drängt sich sehr häufig die Frage auf : "Wie kann ein Mensch nur unter diesen Umständen leben bzw. überleben??"
Ein würdevolles Leben - was ist das?

-Nein, bitte keine hochphilosophischen europäischen Antworten!-

Ein würdiges Dasein in Haiti bedeutet:
- Mama und Papa bzw. eine liebevolle Familie zu haben
- ein dichtes Dach über dem Kopf
- eine Matratze zum Schlafen
- keinen Hunger
- sauberes Trinkwasser
- Schutz vor Ausbeutung und Gewalteinwirkung
- Wechselkleidung
- sich nicht in der kompletten Öffentlichkeit duschen bzw. die Notdurft verrichten zu müssen
- den Schulbesuch finanzieren zu können
- einer bezahlten Arbeit nachzugehen
- ein Lebensumfeld zu haben, das man sauber halten kann und somit Krankheiten eindämmt (das ist in den staubigen dörfern und Städten gar nicht so leicht zu finden)
- bei Krankheit einen fachkundigen Arzt konsultieren zu können
,...

Maximal 20 % der Bevölkerung erreicht in Haiti diesen Standard an Lebenswürde.

Welche Antwort läge wohl uns Europäern auf der Zunge???